Erlebnisse mit Gott

Ein Vater, der mich liebt

Ich habe in meinem Leben so oft nach einem Muster oder einem Ebenbild gesucht für meinen Himmlischen Vater. Man sagt auch oft, dass die Kinder, die im Glauben wachsen, Gott mit ihrem biologischen Vater vergleichen und dass dieses meistens eine Stütze für sie im Glauben ist.

Mein Vater, der vor kurzem gestorben ist, war ein guter Mensch. Aber er hatte auch seine dunklen Seiten. Er hatte oft Wutanfälle und wurde aggressiv. Meistens wenn er nach Hause kam, habe ich mich vor ihm versteckt.

Später, als ich zehn Jahre alt war, hat er mich, meine Mutter und meine anderen drei Geschwister verlassen und zog nach Asunción, wo er eine andere Familie gründete. Ich war damals verwirrt und wusste nicht, was ich von dem Scheidungsthema denken sollte. Jedenfalls dachte ich, es würde harmonischer laufen zu Hause ohne ihn. Ich war nicht traurig, dass er wegging.

Danach war es sehr still zu Hause, aber auch leer. Jeder in unserer Familie ging seinen eigenen Weg. Meine Mutter bemühte sich, so gut sie konnte die Familie aufrecht zu erhalten und zu versorgen. Ich war aber auch sehr oft alleine.

Ich beneidete meine Freundinnen, die eine gute Beziehung zu ihren Vätern hatten, und doch freute ich mich mit ihnen.

Als ich dann nach der Sekundarschule nach Asunción zog, um einen Beruf zu erlernen, traf ich mich ab und zu mit meinem Papa. Er ging immer noch denselben Weg durchs Leben.

Dann hat man bei meinem Papa die Krankheit “Cirrosis Hepática” diagnostiziert. Es kam von dem vielen Alkohol, den er in den Jahren zu sich genommen hatte. Er musste einen Schlussstrich machen mit Alkohol und Zigaretten, wenn er noch ein paar Jahre mehr leben wollte. Es gelang ihm auch. Eines Tages als er mich wieder einmal zum Essen eingeladen hatte, umarmte er mich und sagte die drei Worte, die eine Tochter immer wieder von ihrem Vater hören möchte: “Ich liebe dich.”

Ich war verwirrt und fuhr nach Hause, wo ich stundenlang weinte, weil ich einfach nicht wusste, was in mir zusammenbrach.

Das Verhalten meines Vaters änderte sich, aber er hatte auch Rückfälle. Ich wollte nicht so gern zu ihm fahren. Trotzdem rief er immer wieder an und lud mich ein. Einen Tag, den werde ich nie vergessen. Da hatte er den Tisch so schön gedeckt und machte einen Asado. Wir hatten schöne Momente miteinander. Er war richtig froh und zufrieden.

Am 5. April 2020 erinnerte Gott mich durch eine Predigt neu an dieses schöne Erlebnis mit meinem Vater, und zwar durch den Vers in Psalm 23,5: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“

Mein Vater bereitete den Tisch und nahm sich Zeit für mich. Er segnete mich mit den Worten “Ich liebe Dich.” Gott ließ mich auch daran denken, wie oft mein Papa mich angerufen hatte und wie ich ihn oftmals ignoriert habe. Ich weiß, dass ich von Gott geliebt werde und dass er mich trotz allem immer wieder rufen wird.

Manchmal glaube ich auch, dass es gar nicht mal so schlecht ist, wenn Kinder Gott mit ihrem Papa vergleichen. Vielleicht ist es eine Denkhilfe und eine Herausforderung für die Väter, so zu handeln wie es Gott tun würde: immer mit Liebe aber auch mit liebevoller Strenge, geduldig aber auch Grenzen setzend.

Ich möchte die Väter ermutigen, immer wieder nach dem Ebenbild Gottes zu leben. Damit werden sie ihren Kindern helfen, Gott als ihren Himmlischen Vater lieben zu lernen.

Clarisa Bärg

 

Früchte der Arbeit im Mercado 4

Jeden Sonntag fährt eine Gruppe Jugendlicher zum Mercado 4 in Asunción, um von Gott zu erzählen und Zeit mit den Menschen zu verbringen, die dort arbeiten und wohnen. Ich habe auch das Vorrecht und bin jetzt einige Male mitgefahren.

An einem dieser Sonntage gingen wir, wie immer, mit den Bibeln in der Hand los zum Mercado. Gerade bevor wir in das Haus unseres Freundes gehen wollen, kommt ein großer Mann auf uns zu und brüllt ein komisches Wort, das niemand versteht. Mit einer dicken Umarmung begrüßt er jeden in der Gruppe, nur mich nicht. Mich hebt er dann aber komplett auf, womit er meine Privatsphäre gerade ein bisschen überschritten hat. Zu alldem stelle ich fest, dass der Typ komplett unter Drogeneinfluss steht. Das konnte ich an seinen riesigen Pupillen sehen.

Dann erinnere ich mich daran, dass wir ja gerade deswegen zum Mercado gehen, um unsere Komfortzone ein wenig zu verlassen.

Danach gingen wir in das Haus unseres Freundes, um zu beten und die Bibel zu lesen. Dieses Mal kam noch ein Mann dazu, als er hörte, dass wir für die Anwesenden beten würden. Er erzählte, dass er 21 Jahre alt, schon fünfmal im Gefängnis gewesen und gerade wieder rausgekommen sei. Zudem erzählte er auch, dass er schon einen Menschen umgebracht habe. Wir haben dann die Bibel gelesen und gebetet.

Beim Verabschieden spürte man seine Dankbarkeit und wie er sich freute, dass wir gekommen waren und noch für ihn gebetet hatten. Er hatte nämlich schon im Gefängnis von Gottes Wort gehört und wollte unbedingt mehr darüber wissen.

Es ist schön, Gottes Herrlichkeit zu erleben und zu sehen, wie die Arbeit im Gefängnis auch gute Früchte trägt.

Marek Sawatzky

 

Das erste gute Erlebnis mit dem Fasten

Als Mennoniten Gemeinde Concordia haben wir dieses Jahr wieder eine Fastenwoche gemacht. Meine früheren Erfahrungen mit dem Fasten lassen sich in wenigen Worten zusammenfassen: Schlechte Laune, Hunger und Frustration. Fasten war für mich nur eine Zeit, die ich so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte. Ich habe dabei kaum Zeit mit Gott verbracht und stattdessen immer nur andere Ablenkungen gesucht, wie zum Beispiel Serien zu schauen oder Sonstiges. Ich kann ehrlich sagen, dass ich das Essen liebe und es mir wirklich sehr, sehr schwer fällt, mich für das Fasten zu entscheiden und es dann auch noch durchzuführen.

Dieses Mal hatten mein Mann und ich uns entschlossen, zusammen für zwei Tage das „Daniel-Fasten“ zu machen. Ich hatte mir ganz bewusst vorgenommen, in der Woche keine Filme oder Serien zu schauen und mich so zu verhalten, wie es in Matthäus 6,16-18 angeordnet wird. Außerdem hatte ich für diese zwei Tage kurze Zeiten festgelegt, an denen ich Gott suchen und dann auch spezifische Gebetsanliegen vor ihn bringen würde. Woran ich mich festgehalten habe, wenn Zweifel aufkommen wollten, war Matthäus 6,18: „… Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.“

Die Resultate? Eines der Gebete wurde einige Tage später beantwortet. Aber das Beste von allem war, dass sich in mir etwas verändert hatte. Ich kann es schwer in Worte fassen, aber ich fühlte mich einfach wie erfrischt und gestärkt in meiner Beziehung zu meinem Vater und das, was vorher ein „Muss“ war (wie z.B. Bibel lesen, beten, usw.), sehe ich jetzt wie ein Geschenk Gottes an seine Kinder. Ich erlebe wieder Gottes Wirken in meinem Alltag.

Mir ist bewusst geworden, wie wichtig die Herzenseinstellung beim Fasten ist. Ich kann einfach so, wie ich bin, mit leeren Händen zu Gott kommen und darauf vertrauen, dass er es gut mit mir meint und mich belohnen wird.

Angi Lavall de Pries

 

Wo Gott nach uns sucht

Vor einiger Zeit, als wir wie üblich unseren Einsatz beim Mercado 4 in Asunción machten, traf ich auf eine Gruppe junger Männer, die in einer Ecke saßen und Drogen nahmen. Plötzlich fragte einer, ob ich Pastor sei und warum ich hergekommen sei. So kamen wir ins Gespräch.

Dieser junge Mann erzählte, dass er mal in der Band einer Gemeinde mitgespielt und auch aktiv als Christ mitgearbeitet habe. Ihm war bewusst, dass er vom Glauben abgekommen und dass das nicht Gottes Versagen sei.

Wir haben dann zusammen gebetet und er gab zu, dass er hierhergekommen sei, weil er nicht nach Gott suchte. Er sagte, für ihn sei ich wie von Gott geschickt und er erkannte, dass Gott sich oft gerade da zeigt, wo man nicht damit rechnet. Er wollte sehr gerne Anbetungslieder singen und so versammelten wir uns in dem Haus von Señor Monjes (Leca) und haben zusammen eine segensreiche Zeit der Anbetung erlebt.

Wir geben Gott die Ehre für alles, was wir bei unseren Einsätzen erleben und wir hoffen, dass noch viele dadurch von der Liebe Gottes erfahren mögen und sich Gott zuwenden.

Fabricio Friesen

 

„Die Freude der Kinder motiviert mich es immer wieder zu tun!“

Als ich anfing, in der Arbeit „Chicos Aventureros“ der Mennoniten Gemeinde Concordia mitzuhelfen, spürte ich von Anfang an, wie diese Kinder es genossen und die Liebe von den Mitarbeitern spürten. Ich sah, wie die Kinder strahlend und voller Freude zu den Aktivitäten von „Chicos Aventureros“ kommen.

Eine Sache, die mich besonders bewegte, war der Sonntag, an dem wir mit den Kindern zusammen zu einem Gottesdienst in unserer Kirche fuhren. Die Kinder waren nicht die ganze Zeit still in der Kirche, aber sie waren trotzdem so froh, dass sie da sein konnten. Und wie überglücklich waren sie, dass sie auf dem großen Hof unserer Kirche, spielen und essen konnten. Ich sah, dass diese Kinder das alles einfach viel mehr schätzen, als wir es oft tun.

Was mich motiviert, immer wieder zu helfen, ist einfach, dass ich sehe, welche Freude es den Kindern immer wieder macht und dass sie kommen und mich einfach mal so umarmen und sagen, dass sie uns lieb haben. Obwohl es manchmal so scheint, als ob es nicht viel Sinn hat und wenig Kinder da sind, weiß ich doch, dass Gott einen wunderbaren Plan mit diesen Kindern hat und dass wir ein reicher Segen sein können, indem wir den guten Samen des Evangeliums von Jesus säen.

Priscilla Friesen

 

Gott schenkt den Mut, der die Angst verdrängt

Am 15. September 2018 hatte ich die Gelegenheit, an einem evangelistischen Einsatz der Concordia Jugend mitzumachen. An diesem Abend fuhr ich zusammen mit einer Gruppe zu den so genannten Chacaritas (ein Armenviertel in der Nähe der Costanera von Asunción, neben der Katholischen Universität).

Als wir als Gruppe in die schmale, düstere Gasse gingen, wo sich an beiden Seiten die Holz- und Blechhäuser der Indianer erstrecken, durfte ich Gottes Ruhe und Mut verspüren und hatte somit keine Angst und Bedenken, um hineinzugehen.

Als Gruppe haben wir den Indianern (überwiegend Kinder) den Grund genannt, weshalb wir zu ihnen gekommen sind und dass Jesu Liebe auch ganz besonders ihnen gilt. Danach haben wir Saft und belegte Brote verteilt, sowie auch Bibeln, Decken und Pullover.

Dieser Einsatz hat mir geholfen, die Situation, in der diese Menschen leben, besser zu verstehen und dass es wichtig ist, diese Menschen in unsere Gebete miteinzuschließen. Außerdem hat Gott mir gezeigt, dass es bei der Evangelisation nicht um uns selbst geht und wie wir uns fühlen, sondern es geht allein um IHN.

Es ist unsere Aufgabe, als Nachfolger Jesu Menschenfischer zu sein, zu denen Gott uns machen will und wird. Als sein Werkzeug auf der Erde müssen wir dies nur zulassen und schon werden wir sein Wirken spüren.

Frank Wiebe